Tien Shan Pai Kung Fu
If you put in the work, the results will come.
- Michael Jordan
Über den Stil
Der Tien Shan Pai Stil ist eine traditionelle, anfangs äußere Kampfkunst. Das heißt, dass die anfänglichen Formen sehr körperlich betont sind, also viel Wert auf Kraft und Ausdauer gelegt wird, um später dann immer weicher und geschmeidiger zu werden, was sich schlussendlich in der Betrunkenenform manifestiert (der Ausschnitt bezieht sich übrigens auf die Acht Unsterblichen). Das Ziel ist, dem Ying und Yang Prinzip folgend, sowohl Kraft und Härte als auch Geschmeidigkeit und Weichheit zu vereinen. Daher bietet es sich an, wenn man aus seinem Kung Fu Training mehr als eine Freizeitbeschäftigung machen möchte, neben dem Kung Fu auch Tai Chi zu lernen.
Der Gründungslegende nach stammt der Tien Shan Pai Stil aus dem gleichnamigen Tien Shan Gebirge im Nordwesten Chinas. Damit ist Tien Shan Pai ein nördlicher Stil. Wesentliche Merkmale, im Vergleich zu südlichen Stilen, sind:
- nördlich: weite Bewegungen, schnelle Läufe, auch Sprünge und hohe Tritte.
- südlich: kurze, explosive Bewegungen, wenige Lauf- und Sprungbewegungen.
Die Entwicklung dieser Unterschiede ist darauf zurückzuführen, dass die Chinesen im Norden statistisch größer sind als die Südchinesen, außerdem meist größere freie Flächen zur Verfügung haben.
nach obenDie traditionellen Farben
- Gelb: steht für Reichtum und Wohlstand
- Rot: symbolisch für Blut, steht für Lebenskraft
Beide zusammen stehen für Macht und Einfluss.
Chinesische Bezeichnungen
| Meistergrad | Toan |
| Kampfkunst | Wuh Shu (= Krieg + Kunst) |
| Trainingsraum | Wuh Guan (= Krieg + Raum) |
| Hebeltechniken | Chin Na |
| Ein- und Ausrollen (Säbeltechniken) | Pan Tao und Kau Tao |
| Block-Druckblock-Stoß (3 Speertechniken) | Lan Sha Na |
Tritte
| Hakenkick, Vorwärtsfeger | Gou Ti |
| Rückwärtsfeger | Qua Tai |
| Tiefer Feger | Sao Gau Ti |
| Spannkick | Wu Ti |
| Außenristkick | Bei Lian Twai |
| Innenristkick | Pan Mien Twai |
| Schneller Seitkick | Tzu Ti |
| Harter Seitkick | Tzu Chwai |
| Fußschwung nach hinten | Hon Ti |
| Fußschwung nach vorne | Tiang Gang Ti |
| Stopptritt | Chien Ti |
| Ballenkick | Sheng Deng Ti |
Hier gibt es mehr zu Tritten.
Chinesische Familientitel
wobei sich 'älter' und 'jünger' auf die Graduierung beziehen.
Chinesische Titel
| Bedeutung | Eigener Stil | Fremder Stil | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Begründer eines Stils | Shi Zu | Hong Yun Zu Shi (= 'rote Wolke' Zu Shi) | |
| Großmeister | Shi Ye | Ta Shi / Zhang Men Yen | Chien-Liang Huang (= 'großes Wissen' Huang) |
| Lehrer / Vater | Shi Fu | Yuan-Chih Czech (= 'erste Wahl' Czech) | |
| respektierter Meister | Lau Tzu | ||
| engster Schüler | Sr B | ||
| Ausbilder | Jiao Lian | ||
| Trainer | Zhu Li Jiao Lian |
Was ist eigentlich eine Form?
Eine Form ist, grob gesagt, eine sinnvolle Abfolge von Techniken, welche einen Kampf gegen einen imaginären Gegner darstellen. Diese Techniken sind üblicherweise typisch für den jeweiligen Stil. Eine Form soll mögliche Einsatzarten von Techniken aufzeigen.
Üblicherweise wird mit einer waffenlosen Form begonnen und bei einem fortgeschrittenen Schüler mit Waffenformen fortgefahren. Neben den Soloformen, die von einem Schüler alleine geübt werden, gibt es auch Partnerformen, bei denen einstudierte Kampfchoreographien von zwei oder mehr Kämpfern praktiziert werden.
Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu verstehen, der kann anderen ein Lehrer sein. - Konfuzius
Wer sich mit Formen intensiv auseinandersetzt, wird immer mehr Feinheiten erkennen. Wird sehen, dass ein Schlag nicht immer ein Schlag sein muss. Wird erkennen, dass die Einsatzmöglichkeiten der Techniken so vielfältig sind wie der menschliche Körper selbst. Wird lernen, selbst einfache Formen anders zu betrachten.
Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will, der muss erst stehen und gehn und laufen und klettern und tanzen lernen - man erfliegt das Fliegen nicht. - Friedrich Nietzsche
Besonders interessant sind die ersten drei Formen, da ihnen ein spezieller philosophischer Gedanke zugrunde liegt:
- Shaolin Ma Bo - Lehren der Stände; der Schüler soll erst das Stehen lernen
- Tenti Ih How - Lehren der Richtungen; der Schüler soll dann das Laufen lernen
- Chu Chi Chuan - Die erste Faustform; der Schüler soll das Kämpfen lernen
Die Entstehung der Gürtelfarben
Um sich gegen Korruption, Verbrechen und Ausbeutung wehren zu können, wandte sich das Volk an die Mönche der nahegelegenen Klöster. Nach vielen erfolglosen Anfragen gaben die Mönche nach und unterrichteten die Menschen in der Kampfkunst.
Im alten China, und auch noch heute, gibt es nur drei verschiedene Stufen:
- Schüler - ist im Lernstadium und lernt vom Meister
- Meister - lernt vom Großmeister und seinen Schülern
- Großmeister - lernt von seinen Schülern
In Japan und Korea hingegen, wo sich andere, verwandte Kampfsportarten entwickelten, wollten Bewohner und Trainierende sehen können, welche Stufe man erreicht hatte. Somit führten sie die Gürtelfarben ein. Der weiße Gürtel besagte: "Ich bin Anfänger und daher ist mein Wissen rein". Der schwarze Gürtel bedeutete: "Mein Wissen und mein Können sind groß".
Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an; achte auf deine Gedanken, sie sind der Anfang deiner Taten. - chinesisches Sprichwort
Da das Volk sehr wenig bzw. kein Geld hatte, mussten die Leute sparen. Sie benutzten ihre Gürtel lange Zeit und färbten sie mit Pflanzen ein. Daher musste die nächste Farbe immer dunkler sein als die vorhergehende. So entstanden die Farben gelb, orange, grün, blau und braun. Eine weitere Unterscheidung gab es dann noch bei den Schwarzgurtträgern, die goldene Balken oder Schriftzeichen auf ihren Gürteln hatten, welche aussagten, den wievielten Schwarzgurt sie hatten. Ab dem 5. Meistergrad war man ein Großmeister.
Heutzutage werden bei einigen Stilen andere Farben mit eingeführt, um Zwischenprüfungen durchzuführen. Damit soll die Angst für den Prüfling genommen bzw. die Prüfungen verkürzt und vereinfacht werden.
Verschiedene Kung Fu Stile haben dieses System übernommen, weil Neulinge immer danach fragten und auch wissen wollten, welche Position sie in der Schule besitzen. In einigen Stilen bzw. Schulen sind es Gürtel und in anderen sind es Scherpen. Dies obliegt dem Trainer und der Schule. Alles hat seine Berechtigung, man muss nur danach fragen.
nach obenTrainingsinhalte
Die Grafik zeigt die Bestandteile, die im Tien Shan Pai Stil unterrichtet werden.
nach obenDie Gründungsgeschichte des Tien Shan Pai
Zeichnung des Tien Shan Gebirges von Großmeister Wang Chueh-Jen (63. Generation des TSP)
Tien Shan Pai kommt aus der Provinz Hsing Chiang im Nordwesten Chinas. Der Legende zufolge praktizierten Mönche diesen Stil in einem Tempel, in den schneebedeckten Bergen dieser Region.
Wie die Geschichte besagt, suchte ein junger Hirte ein verloren gegangenes Tier. Die Gegend, in der er suchte, war ihm zuerst bekannt, jedoch mit der Zeit, da er immer weiter suchte, kannte er sich nicht mehr aus. In seiner Nähe bemerkte er einen alten Mönch mit einem langen weißen Bart, den er nach dem Weg zurück in sein Dorf fragte. Als er in sein Dorf zurückkehrte, erzählte er sofort seiner Mutter, was er erlebt hatte. Sie erklärte ihm, dass er Tien Shan Lao Ren, der für seine Kung Fu Kenntnisse in der Gegend sehr bekannt war, getroffen hatte. Sie trug ihm auf, den alten Mönch zu suchen und zu bitten, Unterricht bei ihm nehmen zu dürfen.
Der Junge zog sofort los, um den alten Mönch zu finden. Seine Suche führte ihn tief in die Berge. Erschöpft hielt er an einem Bach an, um sich zu erfrischen. Im Bach sah er das Spiegelbild eines Tempels, der hoch oben am Berg gelegen war. Der Tempel war wunderschön und der Junge machte sich sofort auf den Weg dorthin.
Als er dort ankam und die dortigen Mönche darum bat, aufgenommen zu werden, wurde er enttäuscht. Denn sie sagten ihm, dass es ihnen untersagt sei, Außenstehende zu unterrichten. Vor lauter Trauer und Enttäuschung ließ er sich auf seine Knie fallen. Am zweiten Morgen, als er dann vor lauter Erschöpfung ohnmächtig geworden war, holten ihn die Mönche in den Tempel und pflegten ihn.
Dem Abt wurde klar, dass der Junge sehr enttäuscht, aber auch willensstark war. Tien Shan Lao Ren beschloss, den Jungen zu unterrichten, und sie gaben ihm den Spitznamen Hong Yun, das soviel wie Rote Wolke bedeutet. Diesen Spitznamen erhielt er, da, während seines Trauerns, der Schnee sich um seine Knie rot färbte.
Nach vielen Jahren harten Trainings verließ er dann das Kloster, denn er war einer der Besten geworden und wollte seine Mutter aufsuchen, um nach ihr zu sehen. Hong Yun Zu Shi wurde somit als der Gründer des Tien Shan Pai erklärt, denn er war es, der diesen Stil der Außenwelt zeigte und unterrichtete.
Diese Geschichte wurde mir von meinem Shih Fu Huang Chien Liang erzählt, und dieser wiederum hat sie von seinem Shih Fu Wang Chueh-Jen, 63. Generation des Tien Shan Pai.
Tien Shan Pai ist ein nördlicher Stil, bekannt in Taiwan für hervorragende Kämpfer sowie exzellente Formenläufer. Denn in den Formen kommen auch akrobatische und sehr kraftvolle Teile vor. Die Selbstverteidigung basiert auf Techniken, die als Block sowie als Angriff benützt werden können, d.h. falls der erste Block sein Ziel verfehlt, kann die zweite Technik ebenfalls als Block benützt werden.
Tien Shan Pai ist in der Hsing Chiang Provinz, Kan Shu, Xan Xi usw. bekannt; es wurde im Süden Chinas erst bekannt, als Shih Fu Wang dort zu unterrichten begann. Das war 1949. Die anderen dort ansässigen Meister beschrieben seinen Kampfstil als "Radar Kampf Stil", weil er die Angriffe im Voraus bemerkte. Viele seiner ersten Schüler traten in den Lei Tai Kämpfen an (zu diesem Zeitpunkt gab es keine Gewichtsklassen) und gewannen einige Wettkämpfe. Damals wurde noch ohne Schutzausrüstung gekämpft.
Shih Fu Huang Chien Liang ist die 64. Generation des Tien Shan Pai und Präsident der The World Kuoshu Federation (TWKSF) sowie der United States Kuoshu Federation (USKSF) in den USA. Er ist Professor für Tai Chi Chuan an Universitäten in Amerika und in vielen namhaften Hallen als Ehrenmitglied aufgenommen worden, insbesondere in der Martial Arts Hall of Fame. Seine Schüler und er sind immer und überall auf der Welt gern gesehen, weil sie höflich, dankbar und zuvorkommend sind.
Informationen von Shih Fu Alexander Czech
nach obenSanda - Selbstverteidigung
Die Sanda (chin.: 散打, wörtlich: Freikampf) sind eine Sammlung von insgesamt 10 kurzen Selbstverteidigungstechniken. Sie reichen vom einfachen Ausweichen bis hin zu komplexen Kontertechniken. Die Sanda sollen den 'Ausweich und Block'-Reflex vermitteln, die Grundlage aller Selbstverteidigung.
Die Sanda trainieren insbesondere Reaktion, Aufmerksamkeit, Distanzgefühl und Präzision. Wie schon bei den Formen sind hier die ersten drei Sanda besonders interessant, da sie jeweils einen Schritt weiter gehen:
- Sanda: Ausweichen durch Seitschritt
- Sanda: Ausweichen durch Seitschritt und gleichzeitiges Blocken
- Sanda: Ausweichen durch Seitschritt und gleichzeitiges Blocken, um dann zu kontern
Traditioneller Stil
Die chinesische Regierung hat es nicht leicht: einerseits gehören die chinesischen Kampfkünste zu den wichtigsten kulturellen Schätzen des Landes, andererseits hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt, dass die Kampfkünste bei jedem Regierungssturz eine bedeutende Rolle gespielt haben. Immer wieder wurde, aus Sorge vor einer Revolution, das Lehren und Praktizieren der Kampfkünste bei Todesstrafe verboten, um dann, aus Sorge vor dem Verlust eines so wichtigen Kulturgutes, wieder zugelassen zu werden.
Um diesem Problem Herr zu werden, wurde in den 1950er Jahren von der chinesischen Regierung ein Sportverband gegründet, in dem viele Wushu-Meister mitwirken sollten. Das dort entwickelte moderne Wushu wurde 1959 offiziell anerkannt. Und insbesondere während der Kulturrevolution 1966-1976 wurden die traditionellen Kampfkünste unterdrückt und Lehrer und Schüler staatlich verfolgt. Nur die Ausübung und Weitergabe der standardisierten Formen des modernen Wushu unter Kontrolle des staatlichen Wushu-Verbandes war erwünscht.
Ein Tritt zum Kopf ist wie ein Schlag zum Fuß.
Das von der Regierung entwickelte moderne Wushu unterscheidet sich von den traditionellen Kampfkünsten insofern, dass es nicht auf Kampf, sondern rein auf Wettkämpfe und 'Show' ausgelegt ist. Es werden bewusst Elemente eingebaut, die einfach nur die Aufgabe haben, gut auszusehen. Akrobatische, hohe Sprünge, in atemberaubender Geschwindigkeit herumwirbelnde Waffen und viele Turneinlagen bestimmen das Bild.
Traditionalisten hingegen betonen den Kampfaspekt. Akrobatische, hohe Sprünge würden zu viel Zeit und Kraft kosten, um im Kampf brauchbar zu sein. Die im modernen Wushu eingesetzten Waffen sind zu dünn und zu leicht, um jemanden verletzen zu können. Turneinlagen werden nicht eingesetzt, um gut auszusehen, sondern haben alle ihren praktischen Nutzen; insbesondere im Affenstil und im Betrunkenenstil, aber auch bei Bodenkämpfen. Zudem befürchten die Traditionalisten, dass durch die staatliche Kontrolle des modernen Wushu viel kostbares Wissen verloren geht, da die ursprünglichen Techniken dort nicht mehr so trainiert werden wie sie einst waren.
Beide Kampfkunstarten erfordern hartes Training, haben aber unterschiedliche Ziele vor Augen.
Seit dem Ende der Kulturrevolution hat sich die Lage für die traditionellen Kampfkünste allerdings wieder entspannt. Mittlerweile werden auch die traditionellen Kampfkünste von der chinesischen Regierung wieder gefördert.
Ein interessantes Docutainment zum Thema Kung Fu, wenn auch mit Fokus auf Shaolin, von National Geographic findet sich bei YouTube.com unter dem Titel Myths & Logic Of Shaolin Kung-Fu.
nach obenTiere
Das erste Grundtier: der Tiger
Eine umfangreiche Reform führte der Shaolin-Mönch Jue Yuan im 14. Jahrhundert durch. Ab diesem Zeitpunkt umfasste das System 72 Übungen, zu denen Schläge (Da), Tritte (Ti), Würfe (Shuai), Griffe (Qinna) und Methoden zur Stimulation von Vitalpunkten (Dianxue) gehörten. Die Übungen sind unter verschiedenen Namen bekannt, z.B. Di-sha-shou ("Teufelshand") oder Zuo-ku-shu ("Kunst der schmerzhaften Zwingen"). Er arbeitete außerdem Bodhidharmas Kampfkunsttugenden zu den "10 Regeln des Shaolin Quanfa" aus, die die Grundlage heutiger Dojukuns sind. Um das System weiter zu perfektionieren, reiste Jue Yuan durch das Land, auf der Suche nach Kampfkunst-Experten. Zusammen mit seinem Arzt konnte er Bai Yu Feng zu einer gemeinsamen Arbeit bewegen, die schließlich zu den fünf Tierstilen führte. Diese Übungen wurden oft den Bewegungen von Tieren nachempfunden, weil man hoffte, so Instinkte und Fähigkeiten der imitierten Tierarten erwerben zu können. Insgesamt 170 Aktionen verteilten sich auf folgende Bewegungstypen:
- Der Tiger hat Kraft, er steht für die Kräftigung von Knochen und Gelenken.
- Die Schlange als Symbol bildet die Atmung aus und fördert die Vitalkraft des Menschen, das Chi.
- Der Kranich wird gleichbedeutend mit Flexibilität gesehen und steht für die Ausbildung der Sehnen.
- Dem Leoparden wird Schnelligkeit zugesagt, symbolisch stehen seine Bewegungen für die Stärkung der Muskeln.
- Der Drache symbolisiert geistige Stärke, er steht für das Konzentrationsvermögen und die Ausbildung der Sehkraft.
Darüber hinaus gibt es noch 3 weitere Tierformen:
- die Gottesanbeterin, auch Tang Lang genannt
- den Adler, welcher als Wappensymbol des Tien Shan Pai dient
- den Affen, welcher sich durch konfuse, unberechenbare Bewegungen auszeichnet
Kung Fu Panda
Im Rahmen der Aktionstage zum Kinofilm Kung Fu Panda 2 wurden die einzelnen Tiere intensiv trainiert und erklärt.
nach obenAllgemeines und Spezielles zu den fünf Grundwaffen
Warum werden heutzutage noch Waffen gelehrt, wo ihre Zeit doch längst vergangen ist? Das liegt daran, dass das Waffentraining in besonderem Maße Präzision und Timing, Kraft und Gleichgewicht, Körperbeherrschung und Reaktion lehrt. Denn das Ziel ist nicht, einfach eine Waffe in die Hand zu nehmen und damit herumzufuchteln, sondern eine Waffe in die Hand zu nehmen und sie zu meistern.
Die fünf Grundwaffen stellen sozusagen die Basis dar. Solide Waffen, wie man sie erwartet, eingeteilt in die Kategorien Nahkampf- oder Reichweitenwaffe sowie männlich oder weiblich.
Jede Waffe hat ihren eigenen Charakter.
Jede Waffe ist eine Verlängerung des Arms.
Jede Waffe erfordert intensives Training, bis man sie mit leichten, natürlichen Bewegungen
führen kann.
Ein interessantes Docutainment von National Geographic findet sich bei YouTube.com unter dem Titel Top Ten Kung Fu Killers.
Gwun: der Langstock
Der Stock (chin. 棍, gùn) gehört sicherlich zu den ältesten Waffen überhaupt. Der Langstock war die Waffe des Volkes, da sich jeder, auch der Ärmste, einfach im Wald einen besorgen konnte. Daher hat der traditionelle chinesische Langstock eine konische Form mit einem dünnen und einem dicken Ende; so wie er in der Natur eben wächst.
In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Säbel, dem Speer und dem Schwert, gilt der Langstock als der Großvater der Waffen.
Der Langstock kann als männliche Reichweitenwaffe eingestuft werden. Seine Bewegungen sind in erster Linie groß und kraftvoll. Schnelle Stiche gehören aber auch zum Repertoire, sollte die Situation dies erfordern. Der Stock ist hervorragend dazu geeignet, um den Gegner auf Distanz zu halten.
Durch seine konische Form kann der Langstock sehr vielfältig eingesetzt werden. Das dickere, wuchtige Ende bietet sich zum Zuschlagen an, das dünnere, peitschende Ende zum Zustechen. Er rotiert in den Händen und befindet sich in ständiger Bewegung.
Der Langstock sollte in etwa so groß sein, dass er von den Füßen bis zum Handgelenk des nach oben ausgestreckten Arms reicht und weder zu elastisch noch zu hart sein. Es gilt aber: je länger, desto besser.
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Dan Dao: der Säbel
Der Säbel (chin. 刀, dāo), auch Breitschwert genannt, gehört mit zu den ältesten chinesischen Waffen. Er tauchte in den Frühlings- und Herbstannalen (einer der Fünf Klassiker, die dem Konfuzius zugeschrieben werden) und später in der Zeit der streitenden Reiche (475 v. Chr. bis 221 v. Chr.) erstmals auf den Schlachtfeldern auf. Während das Schwert (Dan Jian) die bevorzugte Waffe der Adligen war, wurde der Säbel hauptsächlich von den Kriegern und Soldaten verwendet.
In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Langstock, dem Speer und dem Schwert, gilt der Säbel als der General der Waffen.
Der Säbel kann als männliche Nahkampfwaffe eingestuft werden. Seine Bewegungen sind vor allem kraftvoll. Der Säbel wird hauptsächlich als Hieb- und Schnitt- und seltener als Stichwaffe verwendet.
Die leicht gebogene Klinge besteht aus einer Schneide und einem stumpfen Säbelrücken. Oft weist die Klinge eine längslaufende Kerbe auf; durch diese kann Blut abfließen, so dass die Klinge nicht in Muskeln stecken bleibt. Zum Schutz der Hand, aber auch damit kein Blut auf den Griff läuft und diesen rutschig macht, gibt es einen Griffschutz. Um die Griffigkeit zu verbessern, sieht man häufig mit Seilen umwickelte Griffe. Das Ende des Griffs besteht meist aus massivem Eisen, welches einerseits als Gegengewicht zur Klinge dient, andererseits zum Zuschlagen verwendet werden kann. An diesem Ende sind auch meist rote und gelbe Tücher befestigt. Diese haben mehrere Funktionen; unter anderem dienen sie zur Ablenkung des Gegners.
Der Säbel hat eine optimale Länge, wenn er von der Hand bis zum oberen Rand des Ohres reicht.
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Qiang: der Speer
Dank seiner unkomplizierten Herstellung war der Speer (chin. 槍, qiāng) die am häufigsten vorkommende Waffe auf den historischen Schlachtfeldern und die typische Waffe der damaligen chinesischen Fußsoldaten.
In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Langstock, dem Säbel und dem Schwert, gilt der Speer als der König der Waffen.
Der Speer kann als weibliche Reichweitenwaffe eingestuft werden. Er ist eine Waffe mit großer Reichweite, die vor allem für Stöße mit der Spitze gedacht ist. Die Bewegungen werden von präzisen Stichen und Schnitten der angebrachten Klinge dominiert, selten wird mit dem Holzende zugeschlagen. Trotzdem können viele Techniken, die für den Stock entwickelt wurden, auch auf den Speer übertragen werden und vice versa.
Typische Merkmale des chinesischen Speeres sind die in Form eines Blattes ausgeführte Klinge und die direkt darunter angebrachte Quaste aus rotem Rosshaar. Diese hat zum einen die Aufgabe, dem Gegner das Erkennen der Angriffe zu erschweren, und zum anderen soll sie verhindern, dass Blut den Schaft herunterfließt und die Griffsicherheit beeinträchtigt.
Wie der Langstock auch, sollte der Speer in etwa die Größe des eigenen Körpers haben. Im Gegensatz zum Langstock kann ein Speer aber wesentlich flexibler und elastischer sein.
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Jian: das gerade Schwert
Das gerade Schwert (chin. 劍, jiàn) gehört zu den komplexesten und schwierigsten Waffen in den chinesischen Kampfkünsten. Ein chinesisches Sprichwort besagt:
Um den Säbel zu beherrschen, braucht man 100 Tage, aber um das Schwert zu beherrschen, können auch 10000 Tage nicht reichen.
Das Erlernen der Schwertform stellt hohe Anforderungen. Die komplexe Fußarbeit und die schnellen aufeinanderfolgenden Körperdrehungen erfordern viel Übung. Bei korrekter Handhabung liegt das Schwert fast schwerelos in der Hand.
In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Langstock, dem Säbel und dem Speer, gilt das Schwert als der Gentleman aller Waffen.
Das Jian kann als weibliche Nahkampfwaffe eingestuft werden. Wo der Säbel Kraft und Wucht einsetzt, stehen beim Schwert Präzision und Technik im Vordergrund. Angriffsziele sind weiche und verletzliche Körperstellen wie Sehnen, Muskelansätze und Gelenke. Eine typische Schwerttechnik ist der gerade Stoß.
Charakteristisch für das Schwert ist die gerade, doppelschneidige, scharfe Klinge. Im Gegensatz zum Säbel kann beim Schwert die Scheide ebenfalls zum Einsatz kommen, in der Regel in Form von Blocktechniken. Der Pommel am Ende des Griffs dient nicht nur zum Ablenken des Gegners; oft waren in den Fäden des Pommels kleine, scharfe Metallsplitter eingearbeitet.
Wie der Säbel auch, hat das Schwert eine optimale Länge, wenn es von der Hand bis zum oberen Rand des Ohres reicht.
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Kwan Dao: Die Hellebarde
Von der Hellebarde (chin. 關刀, guān dāo), die ursprünglich für den Kampf gegen und zu Pferde entwickelt wurde, existieren heute ca. 40 Varianten. Sie geht zurück auf den General Kwan Yu, der zur Zeit der drei Reiche (220-280 n. Chr.) lebte. Die Hellebarde war die Waffe und das Statussymbol der Offiziere und gilt daher heute als die Meisterwaffe, welche nur dem engsten Schüler unterrichtet wird.
Die Hellebarde kann sowohl als männlich als auch als weiblich eingestuft werden. Sie vereint Elemente aller anderen Waffen in sich, auch wenn sie tendenziell eher eine Reichweitenwaffe ist.
In der ursprünglichen Ausführung ist das Kwan Dao eine sehr schwere Waffe mit einer Klinge aus reinem Gusseisen, die in ihrer Form einem Halbmond ähnelt. Die "Grüne Drachen Halbmond Hellebarde" (Green Dragon Crescent Blade) des Generals Kwan Yu wog der Sage nach fast 50 kg. Die Schneide ist scharf geschliffen und ermöglicht ähnliche Aktionen wie mit einem Säbel. Auf der Rückseite der Klinge gibt es scharfe Erhebungen, und dort ist auch eine rote Quaste (das Chui-Feng) befestigt. Sie dient, ähnlich wie beim Speer, dazu, die Aufmerksamkeit des Gegners zu beeinträchtigen. Der Stiel besteht aus hartem Holz. Am anderen Ende befindet sich ein metallener Stachel, der als Waffe eingesetzt werden kann, aber auch als Gegengewicht zur schweren Klinge dient.
Aufgrund der Größe und des Gewichts des Kwan Dao ist die sehr genaue Ausführung der Bewegungsabläufe enorm wichtig. Ansonsten kann die Waffe nicht mit der nötigen Wucht und Schnelligkeit geführt werden bzw. man läuft Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren.
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Entstehung der Sonderwaffen
Die alten Chinesen waren sehr kreativ, was Form und Art der von ihnen geführten Waffen
anging.
Auf bürgerlicher Ebene führte die Not, sich gegen Plünderer und Unterdrücker verteidigen zu
können, gepaart mit dem Verbot, Waffen zu besitzen, zu einer erstaunlichen Vielfalt von
Waffen, welche von Farmerwerkzeugen bis hin zu Alltagsdingen reicht.
Auf staatlicher Ebene war eine große und gut ausgerüstete Armee zwingend erforderlich,
wollte ein Reich in dem von Bürgerkriegen zerrütteten China bestehen.
Die chinesischen Waffenmeister entwickelten die Armbrust, Jahrhunderte
bevor diese in Europa auftauchte.
Die chinesischen Alchemisten waren die ersten, die das Schwarzpulver
gezielt für militärische Zwecke einsetzten.
Zu den Sonderwaffen zählen, grob gesagt, alle nicht-traditionellen Waffen. Bekannte Beispiele sind die 9-teilige-Peitsche, die Feuerringe, der Dreiglied-Stock und der Fächer. Aber auch Variationen der traditionellen Waffen, wie die Hakenschwerter (vom Säbel) oder der Flegel (vom Langstock), zählen zu den Sonderwaffen.
Ab einem bestimmten Erfahrungsgrad werden den Schülern des Tien Shan Pai Kung Fu im Chinese Kuoshu Institute diese Waffen mit Erklärungen und Einsatztechniken, Formen und Wissen näher gebracht.
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