Traditioneller Stil
Die chinesische Regierung hat es nicht leicht: einerseits gehören die chinesischen Kampfkünste zu den wichtigsten kulturellen Schätzen des Landes, andererseits hat sich in der Geschichte immer wieder gezeigt, dass die Kampfkünste bei jedem Regierungssturz eine bedeutende Rolle gespielt haben. Immer wieder wurde, aus Sorge vor einer Revolution, das Lehren und Praktizieren der Kampfkünste bei Todesstrafe verboten um dann, aus Sorge vor dem Verlust eines so wichigen Kulturgutes, wieder zugelassen zu werden.
Um diesem Problem Herr zu werden wurde in den 1950er Jahren von der chinesischen Regierung ein Sportverband gegründet, in dem viele Wushu-Meister mitwirken sollten. Das dort entwickelte moderne Wushu wurde 1959 offiziell anerkannt. Und insbesondere während der Kulturrevolution 1966–1976 wurden die traditionellen Kampfkünste unterdrückt und Lehrer und Schüler staatlich verfolgt. Nur die Ausübung und Weitergabe der standardisierten Formen des modernen Wushu unter Kontrolle des staatlichen Wushu-Verbandes war erwünscht.
Ein Tritt zum Kopf ist wie ein Schlag zum Fuß.
Das von der Regierung entwickelte morderne Wushu unterscheidet sich von den traditionellen Kampfkünsten insofern, dass es nicht auf Kampf sondern rein auf Wettkämpfe und 'Show' ausgelegt ist. Es werden bewußt Elemente eingebaut, die einfach nur die Aufgabe haben gut auszusehen. Akrobatische, hohe Sprünge, in atemberaubender Geschwindigkeit herumwirbelnde Waffen und viele Turneinlagen bestimmen das Bild.
Traditionallisten hingegen betonen den Kampfaspekt. Akrobatische, hohe Sprünge würden zu viel Zeit und Kraft kosten, um im Kampf brauchbar zu sein. Die im modernen Wushu eingesetzten Waffen sind zu dünn und zu leicht, um jemanden verletzen zu können. Turneinlagen werden nicht eingesetzt, um gut auszusehen, sondern haben alle ihren praktischen Nutzen; insbesondere im Affenstil und im Betrunkenenstil, aber auch bei Bodenkämpfen.
Zudem befürchten die Traditionallisten, dass durch die staatliche Kontrolle des modernen Wushu viel kostbares Wissen verloren geht, da die ursprünglichen Techniken dort nicht mehr so trainiert werden wie sie einst waren.
Beide Kampfkunstarten erfordern hartes Training, haben aber unterschiedliche Ziele vor Augen.
Seit dem Ende der Kulturrevolution hat sich die Lage für die traditionellen Kampfkünste allerdings wieder entspannt. Mittlerweile werden auch die traditionellen Kampfkünste von der chinesischen Regierung wieder gefördert.
Ein interessanter Docutainment zum Thema Kung Fu, wenn auch mit Fokus auf Shaolin, von National Geographic findet sich bei YouTube.com unter dem Titel Myths & Logic Of Shaolin Kung-Fu.