Allgemeines und spezielles zu den fünf Grundwaffen

Warum werden heutzutage noch Waffen gelehrt, wo ihre Zeit doch längst vergangen ist? Das liegt daran, dass das Waffentraining in besonderem Maße Präzision und Timing, Kraft und Gleichgewicht, Körperbeherrschung und Reaktion lehrt. Denn das Ziel ist nicht, einfach eine Waffe in die Hand zu nehmen und damit herumzufuchteln, sondern eine Waffe in die Hand zu nehmen und sie zu meistern.

Die fünf Grundwaffen stellen sozusagen die Basis dar. Solide Waffen, wie man sie erwartet, eingeteilt in die Kategorien Nahkampf- oder Reichweitenwaffe sowie männlich oder weiblich.

Jede Waffe hat ihren eigenen Charakter.
Jede Waffe ist eine Verlängerung des Arms.
Jede Waffe erfordert intensives Training bis man sie mit leichten, natürlichen Bewegungen führen kann.

Ein interessanter Docutainment von National Geographic findet sich bei YouTube.com unter dem Titel Top Ten Kung Fu Killers.

Gwun: der Langstock

Der Stock (chin. , gùn) gehört sicherlich zu den ältesten Waffen überhaupt. Der Langstock war die Waffe des Volkes, da sich jeder, auch der Ärmste, einfach im Wald einen besorgen konnte. Daher hat der traditionelle chinesische Langstock eine konische Form mit einem dünnen und einem dicken Ende; so wie er in der Natur eben wächst.

In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Säbel, dem Speer und dem Schwert, gilt der Langstock als der Großvater der Waffen.

Der Langstock kann als männliche Reichweitenwaffe eingestuft werden. Seine Bewegungen sind in erster Linie groß und kraftvoll. Schnelle Stiche gehören aber auch zum Repertoir sollte die Situation dies erfordern. Der Stock ist hervorragend dazu geeignet, um den Gegner auf Distanz zu halten.

Durch seine konische Form kann der Langstock sehr vielfältig eingesetzt werden. Das dickere, wuchtige Ende bietet sich zum Zuschlagen an, das dünnere, peitschende Ende zum Zustechen. Er rotiert in den Händen und befindet sich in ständiger Bewegung.

Der Langstock sollte in etwa so groß sein, dass er von den Füßen bis zum Handgelenk des nach oben ausgestreckten Arms reicht und weder zu elastisch noch zu hart sein. Es gilt aber: je länger, desto besser.

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Dan Dao: der Säbel

Der Säbel (chin. , dāo), auch Breitschwert genannt, gehört mit zu den ältesten chinesischen Waffen. Er tauchte in den Frühlings- und Herbstannalen (einer der Fünf Klassiker, die dem Konfuzius zugeschrieben werden; chin. 春秋, Chūnqiū) und später in der Zeit der streitenden Reiche (475 v. Chr. bis 221 v. Chr.; chin. 战国时代/戰國時代, Zhànguó Shídài) erstmals auf den Schlachtfeldern auf. Während das Schwert (Dan Jian) die bevorzugte Waffe der Adligen war, wurde der Säbel hauptsächlich von den Kriegern und Soldaten verwendet.

In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Langstock, dem Speer und dem Schwert, gilt der Säbel als der General der Waffen.

Der Säbel kann als männliche Nahkampfwaffe eingestuft werden. Seine Bewegungen sind vor allem kraftvoll. Der Säbel wird hauptsächlich als Hieb- und Schnitt- und seltener als Stichwaffe verwendet.

Die leicht gebogende Klinge besteht aus einer Schneide und einen stumpfen Säbelrücken. Oft weist die Klinge eine längstlaufende Kerbe auf; durch diese kann Blut abfließen, so dass die Klinge nicht in Muskeln stecken bleibt. Zum Schutz der Hand, aber auch damit kein Blut auf den Griff läuft und diesen rutschig macht, gibt es einen Griffschutz. Um die Griffigkeit zu verbessern sieht man häufig mit Seilen umwickelte Griffe. Das Ende des Griffs besteht meist aus massivem Eisen, welcher einerseits als Gegengewicht zur Klinge dient, andererseits zum Zuschlagen verwendet werden kann. An diesem Ende sind auch meist rote und gelbe Tücher befestigt. Diese haben mehrere Funktionen; unter anderem dienen sie zur Ablenkung des Gegners.

Der Säbel hat eine optimale Länge, wenn er von der Hand bis zum oberen Rand des Ohres reicht.

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Qiang: der Speer

Dank seiner unkomplizierten Herstellung war der Speer (chin. , qīang) die am häufigsten vorkommende Waffe auf den historischen Schlachtfeldern und die typische Waffe der damaligen chinesischen Fußsoldaten.

In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Langstock, dem Säbel und dem Schwert, gilt der Speer als der König der Waffen.

Der Speer kann als weibliche Reichweitenwaffe eingestuft werden. Er ist ein Waffe mit großer Reichweite, die vor allem für Stöße mit der Spitze gedacht ist. Die Bewegungen werden von präzisen Stichen und Schnitten der angebrachten Klinge dominiert, selten wird mit dem Holzende zugeschlagen. Trotzdem können viele Techniken, die für den Stock entwickelt wurden, auch auf den Speer übertragen werden und vice versa.

Typische Merkmale des chinesischen Speeres sind die in Form eines Blattes ausgeführte Klinge und die direkt darunter angebrachte Quaste aus rotem Rosshaar. Diese hat zum einen die Aufgabe, dem Gegner das Erkennen der Angriffe zu erschweren, und zum andern soll sie verhindern, dass Blut den Schaft herunterfließt und die Griffsicherheit beeinträchtigt.

Wie der Langstock auch sollte der Speer in etwa die Größe des eigenen Körpers haben. Im Gegensatz zum Langstock kann ein Speer aber wesentlich flexibler und elastischer sein.

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Jian: das gerade Schwert

Das gerade Schwert (chin. 劍, jiàn) gehört zu den komplexesten und schwierigsten Waffen in den chinesischen Kampfkünsten. Ein chinesisches Sprichwort besagt:

Um den Säbel zu beherrschen braucht man 100 Tage, aber um das Schwert zu beherrschen, können auch 10000 Tage nicht reichen.

Das Erlernen der Schwertform stellt hohe Anforderungen. Die komplexe Fussarbeit und die schnellen aufeinanderfolgenden Körperdrehungen erfordern viel Übung. Bei korrekter Handhabung liegt das Schwert fast schwerelos in der Hand.

In der Gruppe der vier Hauptwaffen, zusammen mit dem Lanstock, dem Säbel und dem Speer, gilt das Schwert als der Gentleman aller Waffen.

Das Jian kann als weibliche Nahkampfwaffe eingestuft werden. Wo der Säbel Kraft und Wucht einsetzt stehen beim Schwert Präzision und Technik im Vordergrund. Angriffsziele sind weiche und verletzliche Körperstellen wie Sehnen, Muskelansätze und Gelenke. Eine typische Schwerttechnik ist der gerade Stoß.

Charakeristisch für das Schwert ist die gerade, doppelschneidige scharfe Klinge. Im Gegensatz zum Säbel kann beim Schwert die Scheide ebenfalls zum Einsatz kommen, in der Regel in Form von Blocktechniken. Der Pommel am Ende des Griffs dient nicht nur zum Ablenken des Gegners; oft waren in den Fäden des Pommels kleine, scharfe Metalsplitter eingearbeitet.

Wie der Säbel auch hat das Schwert eine optimale Länge wenn es von der Hand bis zum oberen Rand des Ohres reicht.

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Kwan Dao: Die Hellebarde

Von der Hellebarde (chin. 關刀, guān dāo), die ursprünglich für den Kampf gegen und zu Pferde entwickelt wurde, exitieren heute ca. 40 Varianten. Sie geht zurück auf den General Kwan Yu, der zur Zeit der drei Reiche (220 – 280 n.Chr.) lebte. Die Hellebarde war die Waffe und das Statussymbol der Offiziere und gilt daher heute als die Meisterwaffe, welche nur dem engsten Schüler unterrichtet wird.

Die Hellebarde kann sowohl als männlich als auch als weiblich eingestuft werden. Sie vereint Elemente aller anderen Waffen in sich, auch wenn sie tendenziell eher eine Reichweitenwaffe ist.

In der ursprünglichen Ausführung ist das Kwan Dao eine sehr schwere Waffe mit einer Klinge aus reinem Gusseisen, die in ihrer Form einem Halbmond ähnelt. Die "Grüne Drachen Halbmond Hellebarde" (Green Dragon Crescent Blade, chin. 青龍偃月刀) des Generals Kwan Yu wog der Sage nach fast 50 kg. Die Schneide ist scharf geschliffen und ermöglicht ähnliche Aktionen, wie mit einem Säbel. Auf der Rückseite der Klinge gibt es scharfe Erhebungen und dort ist auch eine rote Quaste (das Chui-Feng) befestigt. Sie dient, ähnlich wie beim Speer, dazu, die Aufmerksamkeit des Gegners zu beeinträchtigen. Der Stiel besteht aus hartem Holz. Am anderen Ende befindet sich ein metallener Stachel, der als Waffe eigesetzt werden kann, aber auch als Gegenwicht zur schweren Klinge dient.

Aufgrund der Größe und des Gewichts des Kwan Dao ist die sehr genaue Ausführung der Bewegungsabläufe enorm wichtig. Ansonsten kann die Waffe nicht mit der nötigen Wucht und Schnelligkeit geführt werden bzw. man läuft Gefahr, das Gleichgewicht zu verlieren.

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Entstehung der Sonderwaffen

Die alten Chinesen waren sehr kreativ, was Form und Art der von ihnen geführten Waffen anging.
Auf bürgerlicher Ebene führte die Not, sich gegen Plünderer und Unterdrücker verteidigen zu können, gepaart mit dem Verbot, Waffen zu besitzen, für eine erstaunliche Vielfalt von Waffen, welche von Farmerwerkzeugen bis hin zu Alltagsdingen reicht.
Auf staatlicher Ebene war eine große und gut ausgerüstete Armee zwingend erforderlich, wollte ein Reich in dem von Bürgerkriegen zerrüttetem China bestehen.

Die chinesischen Waffenmeister entwickelten die Armbrust, Jahrhunderte bevor diese in Europa auftauchte.
Die chinesischen Alchemisten waren die ersten, die das Schwarzpulver gezielt für militärische Zwecke einsetzten.

Zu den Sonderwaffen zählen, grob gesagt, alle nicht-traditionellen Waffen. Bekannte Beispiele sind die 9-teilige-Peitsche, die Feuerringe, der Dreiglied-Stock und der Fächer. Aber auch Variationen der traditionellen Waffen, wie die Hakenschwerter (vom Säbel) oder der Flegel (vom Langstock), zählen zu den Sonderwaffen.

Ab einem bestimmten Erfahrungsgrad werden den Schülern des Tien Shan Pai Kung Fu im Chinese Kuoshu Institute diese Waffen mit Erklärungen und Einsatztechniken, Formen und Wissen näher gebracht.